Schritt 3

Vom Plumpsklo zur KI (Künstliche Intelligenz) in 3 Schritten mit Schallgeschwindigkeit

Nach sieben Jahren Bundeswehr nahm ich dann also Abschied von allen Freunden und Bekannten und der vertrauten Umgebung  und begann 1982 mein Praktikum in der freien Wirtschaft.  Jeden Tag 8 Stunden plus die Fahrtzeit von Aschaffenburg nach Rödelheim und zurück. Diese Strecke war dann schon mal ein Vorgeschmack auf die nächsten 35 Jahre in denen ich diese Autobahn fast Täglich nutzen würde.
Die Computer waren damals noch so groß wie mehrere große Kleiderschranke. Die Bauteile auf den Platinenträgern hatten ca. 5 cm lange  Drahtstifte die mit dünnem Klingeldraht miteinander verbunden wurden. Pro Schrank waren es also etwa 600.000 Pins von denen immer 2 und mehr miteinander verbunden werden mussten. Dabei dürfte beim Zählen kein Fehler gemacht werden. Schon eine falsche Verbindung und der ganze Schrank funktionierte nicht mehr richtig. Es war zumindest einmal der Einblick in die Produktion der damaligen, im wahrsten Sinne des Wortes: „Groß“-rechner.
Nach einigen Monaten startete dann die Ausbildung bei Control Data. Das halbe Jahr war in vier Abschnitte unterteilt:
Grundlagen der Elektronik, Einführung in die Datenverarbeitung, Zentraleinheit und Randeinheiten. Nach jeweils 6 Wochen fand eine schriftliche und mündliche Prüfung statt. Dazu gehörte auch die Programmierung mit Lochkarten. Ich suchte mir dabei den Satz des Pythagoras (a2+b2=c2) aus. Das waren dann aber auch ca. 15 cm Lochkarten. Nach 24 Wochen war das Ganze überstanden. Was man uns bei Control Data allerdings nicht sagte, die Geräte mit denen im Lehrgang gearbeitet wurde gehörten zu diesem Zeitpunkt schon ins Deutsche Museum in München. OK, die einzelnen elektronischen Funktionen sind bis heute gleich geblieben, nur der Raumbedarf war damals schon überholt.
Obwohl ich eigentlich bei einem Computerhersteller arbeiten wollte, aber die meisten dieser Firmen in München, Paderborn und anderen Städten ansässig waren, fand ich durch ein Inserat eine Stelle als Techniker bei der Firma WMK Elektronik in Alzenau. Das war zwar nur eine 3-Mannfirma, aber für den Anfang, und Einstieg, so dachte ich wenigstens, Besser als weite Autofahrten früh und abends. Diese Firma hatte den Exklusivvertrieb für SRA-Bildschirme, das war eine Neuentwicklung mit augenfreundlicher orangefarbiger Schrift zum Anschluss an IBM Systeme der Reihe /34, /36 und /38. Ich unterschrieb einen Arbeitsvertrag mit einer Probezeit von 6 Monaten. Während dieser Probezeit stand mir kein Urlaub zu. Ich dachte mir eigentlich nichts dabei als ich diesen Vertrag unterschrieb. Kurz nach meinem Eintritt wurden auch Drucker, der Philipps GP300, in das Vertriebsprogramm aufgenommen. Ich interessierte mich eigentlich nicht so für die Bildschirme. Die bearbeitete der Kollege, ein ausgebildeter Radio- und Fernsehtechniker. Ich spezialisierte mich auf die Drucker mit den dazu gekauften Twinax-Anschlüssen. Das Wort „Drucker“ wurde mir damals anscheinend unsichtbar auf die Stirn geschrieben, denn diese Geräte waren mir dann bis zu meinem Renteneintritt immer ein Klotz am Bein. Für jeden der irgendwie Druckprobleme hatte war ich automatisch der Ansprechpartner. Später, als PCs und Windows aktuell wurde sind die meisten Probleme allerdings auch wirklich bei der Druckausgabe aufgetreten.
Die technische Seite bei WMK  lief sehr gut, doch der kollegiale Seite war eine wahre Katastrophe. Kurz vor Ablauf der 6 Monate überreichte mir mein Chef die Kündigung und einen neuen Arbeitsvertrag mit weiteren 6 Monaten Probezeit. Der Grund: Eine kundenfeindliche Äußerung: Ich hatte einem Kunden versucht beizubringen, dass er sein Frühstück bitte nicht über der Tastatur einnehmen sollte. Die Tastatur war vollständig verschmutzt von Speiseresten.
Etwas Gutes hatte die Stelle aber doch, denn die Bildschirme kamen mit dem LKW aus Schweden und der Fahrer brachte auf Bestellung frischen schwedischen Lachs mit.
Da ich erst mal eigentlich keine Alternative hatte unterschrieb ich den neuen Arbeitsvertrag. Während der folgenden Zeit entwickelte sich ein gutes Verhältnis zu unserem Druckerlieferanten und als mir mein Chef kurz vor Ablauf der 6 Monate wiederum eine Kündigung und einen erneuten Arbeitsvertrag vorlegte lehnte ich diesen mit den „besten Wünschen für seine Zukunft“ ab und ging. Meine „guten Wünsche“ gingen übrigens in Erfüllung, denn 3 Jahre später ging er mit einem Soll von über 4 Mio. in Konkurs. Manchmal werden auch Wünsche wahr. Ich hatte mich vorher schon mit unserem Druckerlieferanten, der Firma Sass in Rodgau und dabei insbesondere mit Wolfgang S. dem Chef über die Zustände bei WMK unterhalten und die Zusage bekommen, dass ich sofort bei ihm anfangen könnte.
Also fuhr ich ab dem nächsten Ersten morgens nicht mehr nach Alzenau sondern nach Rodgau und darüber hinaus nicht mehr mit dem eigenen Auto sondern mit einem neutralen Dienstwagen den ich auch privat nutzen konnte.
Wir waren drei Techniker und ein technischer Leiter. Na ja, der eine war der Sohn vom Chef. Also an seinen Leistungen gemessen, ein halber Techniker dem oft genug ein richtiger Techniker hinterher fahren musste um die benötigte Reparatur korrekt durchzuführen. Der technische Leiter Reinhold war ein enger Freund des Chefs. Der Servicefirma angegliedert war auch eine Vertriebsfirma. Diese hatte den Exklusivvertrieb für die Drucker von Philipps. Da ich mich ja schon auf diesem Drucker spezialisiert hatte übernahm ich den kompletten bundesweiten Service für die Geräte.
Das größte Standbein der Servicefirma waren allerdings die laufenden Wartungsverträge für die Band- und Trommeldrucker der Firma Dataproducts die bei einem Arzneimittelvertrieb in ganz Deutschland installiert waren. Diese waren alle an den Großrechnern angeschlossen.
Und die Drucker waren damals sehr wichtig denn wie sonst ließe es sich erklären dass ich mit einer Bankkarte als Ausweis den Hochsicherheitstrakt des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden betreten durfte. Dort war ein Gerät ausgefallen und ich hatte sonst keine anderen Ausweißpapiere dabei.
Eigentlich lief alles optimal bis Wolfgang die Idee hatte in größere Räume in Hanau umzuziehen.
Die Idee, eigentlich nicht schlecht nur die Folgen waren äußerst schädlich für das gesamte Betriebsklima. Es ist manchmal eigentlich nicht zu glauben wie eine einzige Person die Stimmung einer vorher intakten und kameradschaftlichen Gemeinschaft ins Negative ziehen kann. Aufgrund dieser Begleitumstände bewarb sich Reinhold dann für eine Vertriebsstelle bei der schwedischen Firma RC Computer und ich hielt auch die Augen nach einer neuen Stelle offen. Es war eigentlich ein Zufall, Reinhold erfuhr dass bei Dataproducts ein technischer Assistent gekündigt hat und sprach daraufhin mit den Verantwortlichen in Neu-Isenburg. Er wusste ja, dass ich auch gehen wollte. Nach einem kurzen Bewerbungsschreiben und einem ebenso kurzen persönlichen Gespräch mit Tad C. dem Geschäftsführer der deutschen und österreichischen GmbH wurde ich von Dataproducts eingestellt.
Das Team, dass ich dort vorfand war einfach Spitze. Wir waren insgesamt 10 Mitarbeiter. Allerdings musste ich mich dann erst an die Besonderheit eines amerikanischen Unternehmens gewöhnen. Alle Mitarbeiter sprachen sich mit dem Vornamen an  aber waren per „Sie“.
Dataproducts war zu diesem Zeitpunkt 1985 der größte unabhängige Druckerhersteller der Welt. Wir produzierten Ausgabegeräte für alle namhaften Rechnerproduzenten, wie Nixdorf, IBM, Memorex, Siemens und viele andere. Wir boten die unterschiedlichsten Drucktechnologien an, z.B. Trommeldrucker – und Banddrucker mit Geschwindigkeiten von 300 bis 2000 Zeilen/Minute, darüber hinaus Matrixdrucker, die ein Original mit 15 Durchschlägen beschriften konnten. Für kleine bis mittlere Rechensystem wurden von uns weitere Matrix- und Typenraddrucker hergestellt.
Ein technischer Leiter, der auch die Lehrgänge für die Techniker abhielt und ein weiterer Supporter bildeten mit mir zusammen das Technikteam zur Unterstützung der Kunden. Unsere Zentrale war in London und das europäische Werk in Dublin. Weitere Niederlassungen befanden sich in Paris, Rom und Wien. Das gesamte Team war einfach Spitze. Es gab keine Missverständnisse oder Rangeleien. Meine Aufgabe bestand am Anfang darin die deutschen Großkunden bei Problemen mit unseren Produkten zu unterstützen. Das beinhaltete natürlich auch sehr viel Reisetätigkeit aber auch daran habe ich mich schnell gewöhnt. Ich erinnere mich an einen „Kurzbesuch“ bei Nixdorf in Paderborn an einem Rosenmontag. Na ja, da kam dann ein Kollege aus Dublin dazu und am darauffolgenden Freitag war ich dann auf der Rückreise. Ich besuchte jedes Jahr mindestens einmal unser Werk in Dublin um mich über unsere Produktpalette auf den neuesten Stand zu bringen. Irland ist ein schönes Land, nur Dublin selbst ist die schmutzigste Stadt die ich kennengelernt habe. Jedes Mal nahm ich mir vor einmal einen Urlaub in den Highlands zu verbringen aber das hat dann doch nie geklappt.
Jedes Jahr hatten wir eine Woche Sales Meeting in einem anderen Urlaubsziel in Europa, wie z.B. auf Kreta, in Portugal oder in London. Alle Verkäufer, Techniker und Marketing trafen sich da zu einem „Arbeitstreffen“ mit Freizeitprogramm. Das war natürlich „sehr anstrengend“.
Und jedes Jahr waren auch 3 Messen angesagt. In Hannover (Hannover Messe später CeBIT), in München die Systems und in Köln die OrgaTec. Ein einziger Messeauftritt kostete mehr als 300 000,00 DM, also so viel wie ein Einfamilienhaus.
Während der Messe in München und bei Besuchen von Siemens stiegen wir grundsätzlich im damaligen Scene Hotel „König Ludwig“ in Schwabing ab. Das war zwar nicht gerade billig, die Übernachtung kostete immerhin 270.– DM, aber dafür traf man dann abends an der Bar immer reichlich Prominenz. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Besuch als ich feststellte dass der Mann neben mir Karl Dall war.
Doch die Stille und Harmonie trügte, denn etwa zwei Jahre nach meinem Einstand kündigte mein Kollege und der technische Leiter. Der eine ging zur Konkurrenz und der andere zu einem Plotter Hersteller. Die Arbeitsmenge blieb aber erst einmal gleich, obwohl wir ja schon auf der Suche nach einem neuen Schulungsleiter waren. Hinzu kam, dass sich der Mitgründer des Konzerns Graham Tyson in Amerika 1987 zur Ruhe setzte. Er wurde durch Jack C. Davis dem ehemaligen Vice Präsitenten der Harris Corporation ersetzt. Und damit begann die damals übliche Entwicklung amerikanischer Firmen die von ihren Gründern in fremde Hände gegeben wurden: Es ging bergab.
Nachdem die Arbeit immer mehr wurde und eine Änderung nicht in Aussicht war besuchte ich dann doch einmal Tad, unseren Geschäftsführer und machte die Tür hinter mir zu. Nach einem kurzen  Gespräch nahm er den Telefonhörer in die Hand und telefonierte mit London. Mit 35% Gehaltserhöhung verlies ich dann sein Büro. Gleichzeitig war ich dann auch der Produktmanager für unsere neuen Laserdrucker.
Diese Ausgabegeräte sollten mich dann die nächsten Jahre „auf Trapp“ halten. Einige Monate später ging Tad zurück nach Wien und unser OEM Verkäufer Helmut K. wurde der neue Geschäftsführer. Na ja, mit dem OEM Partner brachen einer nach dem anderen weg. Der Einkäufer von Siemens stand im Verdacht der Bestechlichkeit, das war natürlich an den Haaren herbei gezogen. Man kann ja schließlich auch ohne Gegenleistung mindestens zweimal im Jahr einen längeren luxuriösen Urlaub auf Kosten des Lieferanten unternehmen!!!
Helmut, der neue Geschäftsführer, kümmerte sich sofort nach seinem Antritt um die wichtigsten Angelegenheiten: Er bestellte sich einen Mercedes Brabus als Firmenwagen und sorgte dafür, dass alle Firmenwagen mit einem Autotelefon ausgerüstet wurden.
Darüber hinaus ging er auf Abwerbetour. Von Fujitsu  warb er den Starverkäufer Ralph S. und die Marketingassistentin Edith M.L. ab, von Nixdorf zwei Techniker und das obwohl die Umsätze „in den Keller gingen“.
Einmal fuhr ich als Beifahrer in seinem tiefer gelegten „Rennschlitten“ mit nach Holland zu Phillips in Appeldorn. Bei Tempo 240 lenkte er da auf einmal das Auto mit seinen Knien und ergriff mit beiden Händen das Autotelefon um seine Freundin anzurufen. Nach dieser Fahrt war ich mit den Nerven am Ende und total durchgeschwitzt. Die Rückfahrt überstand ich dann auch noch ohne ernsthafte Schäden, aber ab dann verzichtete ich bei ihm auf eine Rolle als Beifahrer.
Aus den Staaten und aus England kamen dann immer sogenannte Restrukturierungspläne (effiziente Umstrukturierung/Recontruction). Wir nannten die dann später immer Dekonstrukturierungsanweisungen  (Dezimierungsmaßnahmen/Deconstruction).
Trotzdem hatten wir viele Interessenten für die neuen Laserdrucker z.B. den ersten DIN A3 Laserdrucker mit Postscript zum Anschluss an Applesysteme mit einer Druckgeschwindigkeit von 26 Seiten/min.. Das Gerät kostete damals immerhin über 300 000.– DM. Auch im unteren Bereich brachten wir neue Geräte mit 6 und 12 Seiten/min auf den Markt. Auf der Cebit auf der Wir diese Drucker dem breiten Publikum erstmals vorstellten lernte ich auch die Chefs von Adobe Systems dem Erfinder dieser Technologie, John Warnock und Charles Geschke kennen. Meine Kollegin und ich hätten damals sofort zu Adobe Systems wechseln können aber der Firmensitz war München. Na ja, wie heißt es so schön: „Hätte, hätte Fahrradkette“
Im September 1987 fuhr ich mit meiner Familie in den Urlaub nach Italien. Auf der Rückreise machten wir dann für einen Tag einen Zwischenstopp in Österreich. Während der Nacht bekam ich eine Blindarmentzündung. Mit der Hilfe von Akupunktur haben wir es dann noch schmerzfrei nach Hause geschafft. In der darauffolgenden Nacht wurde ich dann notoperiert. Als meine Frau meinen Zustand im Büro meldete wollte Helmut gleich eine Telefonnummer unter der er mich erreichen kann. Ich glaube zu diesem Zeitpunkt war ich sogar noch unter Narkose. Das Problem war die bevorstehende Systems in München bei der ich erstmal mit der Standleitung  betreut war. Normalerweise war man damals erst 6 Wochen nach der Operation wieder fit, ich fuhr schon nach 3 Wochen nach München zum Aufbaustart.
Ab diesem Zeitpunkt  veranstalteten wir auch Hausmessen an Wochenenden bei unseren Händlern. Die erste war im November 1987 in Hamburg. Als Entschädigung gingen wir dann abends gemeinsam mit unseren Ehepartnern in das Musical „Cats“.
Über mangelnde Arbeit konnte ich mich eigentlich nicht beschweren denn die Unterstützung der beiden neuen Techniker brachte nicht das erhoffte Ergebnis. Von dem einen trennten wir uns dann sehr schnell wieder, denn mit dummen Sprüchen löst man keine technischen Probleme. Der andere wechselte nach 6 Monaten in den Vertrieb. Nebenbei betreute ich noch das interne Novell Netzwerk mit der Anbindung an den Großrechner in Dublin.
Ich arbeitete hauptsächlich mit Edith, einer jungen Polin, zusammen vor allem wegen der Messevorbereitungen und der Öffentlichkeitsarbeit, z.B. der Vergabe von Testgeräten an die Presse. Wir ignorierten dann einfach  gemeinsam unseren Geschäftsführer wenn er am Abend vor Messebeginn den Aufbau überprüfte, auf allen Vieren unter den Tischen die Verkabelung  nach dem Genuss von reichlich Whiskey.
Überhaupt war Edith meine beste Kollegin von allen. Ich traf sie später noch auf einigen Messen, aber dann verloren wir uns aus den Augen. Erst über Facebook fand ich sie wieder, allerdings war sie da schon an einem Krankenhauskeim verstorben den sie sich in Thailand eingefangen hatte.
Die Geschäfte die Helmut mit den drei Marktführern der Homecomputer Sparte Schneider Computer, Amstrad und Commodore machte waren sehr undurchsichtig. Wir hatten gerade unseren neuen Festkörpertintendrucker SI480 auf dem Markt vorgestellt und angeblich wollten diese drei Firmen den Alleinvertrieb für Deutschland übernehmen Dazu unterschrieben sie ein Letter of Intent (Absichtserklärung) mit der Anzahl von Geräten die sie bestellen werden.
1989 war der Nettogewinn von vorher 27,7 Mio. $ auf 3,8 Mio. $ gesunken. Das Resultat war der „Stormy Weather Report“ der Jahresabschlussbericht mit einem Umschlag aus gelben Gummistoff. Wir ließen uns aber nicht unterkriegen und arbeiteten weiter gegen die Zukunftsvision der PC Hersteller: „das papierlose Büro“. 1990 kam dann mal Pat bei mir vorbei und drückte mir eine gerahmte Urkunde und eine goldene Krawattennadel für meine 5-jährige Firmenzugehörigkeit in die Hand.
Obwohl es  für die breite Öffentlichkeit noch kein Internet gab hatte ich, da wir ja Drucker für Applegeräte im Programm hatten, einen Zugang zum weltweiten AppleLink-Netzwerk einem Vorläufer des heutigen Internets. Dieses Netzwerk wurde allerdings im Gegensatz zu heute wirklich rein für die Arbeit und den gegenseitigen Datenaustausch genutzt.
1992 veranstalteten wir ein Messevorbereitungstraining von Donnerstag bis Dienstag bei bestem Wintersportwetter und Apre Ski im Alpbachtal. Also etwas Erholung vor dem Stress der kommenden CEBIT. 
Inzwischen war aber das gesamte Geschäft mit den Banddruckern auf ein Minimum reduziert und der rechtliche Streit um die Festkörpertintentechnologie mit Tektronix verschlang immense Reserven. Das hatte natürlich weitere Einbußen und vor allem einen weiteren Stellenabbau zur Folge. Eigentlich waren wir schon zu diesem Zeitpunkt kein Druckerhersteller mehr sondern nur noch Wiederverkäufer. Die Druckwerke für die Laserdrucker kamen von Xerox, Toshiba und Sharp, die Steuerelektronik von anderen Herstellern. Dass das nicht unendlich so weitergehen kann hätte uns allen eigentlich klar sein müssen. Eines Tages kam dann die Nachricht, dass wir von Hitachi Koki einem japanischen Hersteller von schnellen Endloslaserdruckern übernommen wurden. 
Edith und ich erhielten unsere Kündigungen für Ende März 1994 und das beendete das eigentlich beste Kapitel meiner beruflichen Laufbahn. Eines habe ich jedoch dabei gelernt: Ganz egal wie sich ein Angestellter für seine Firma einsetzt oder vielleicht auch eventuell krankgeschrieben arbeiten geht am Ende wird es ihm nicht gedankt.
Aber auch für Dataproducts war es das Ende, denn ca. eineinhalb Jahre später wurde der verbleibende Rest in den japanischen Konzern integriert.
Anfang 1984 war also erstmal die gute Zeit vorbei. Die folgenden Monate waren nicht die besten in meiner Laufbahn. Das Geld kam vom Arbeitsamt.  Jeden Samstag die Frankfurter Rundschau und die Allgemeine wegen der Stelleninserate kaufen, das Internet gab es ja noch nicht. Jedes Wochenende Bewerbungen schreiben und auf Antwort warten. Die Zeit war für eine neue geeignete Stelle auch völlig ungeeignet. Die gesamte Datenverarbeitungsbranche befand sich in Aufruhr. Die Terminals der Großrechner wurden von Personalcomputern an den Arbeitsplätzen abgelöst. Vor allem wollte jeder während dieser „Goldgräberzeit“ von dem „neuen Kuchen“ ein Stück abhaben. Die mir  bekannten Personalberater (Headhunter) hatten wenige bis keine neuen Anstellungen im Angebot. Diese Headhunter sind übrigens freiberufliche Personalvermittler die im Auftrag Leute für höher bezahlte Jobs suchen, bei denen das Arbeitsamt nicht mehr tätig werden kann.
Die kommenden Monate waren also recht „bescheiden“. Der Garten war so gepflegt wie noch nie. Obendrein half ich meiner Schwägerin beim Ausbau einer Dachwohnung. Trotz der Beschäftigungstherapie war alles doch sehr deprimierend.
Mitte September bekam ich dann einen Anruf aus Mainz von einem ehemaligen Kunden. Er bot mir eine Funktion als Assistent der Geschäftsführung an gegen Berechnung des Aufwands. Na ja, besser als nichts und ich ging dann auch auf seinen Vorschlag ein. Die Firma  lebte vom Verkauf und der Wartung von Druckern, also meinem Fachgebiet. Sie bestand aus einem Geschäftsführer, einer Sekretärin und einem Techniker, allerdings mit einem sehr guten Kundenstamm. Die 3 Tage pro Woche wurden auch gut bezahlt, nur die Fahrtstrecke nach Mainz war jeden Tag eine neue Tortour.
Mitte Dezember bot er mir dann eine unbefristete Dauerstellung an. Ohne groß zu überlegen nahm ich diese an. Während meiner Zeit als freier Mitarbeiter hatte ich die Pedanterie des Geschäftsführers immer mit Humor gesehen aber als Angestellter ging es mir dann doch auf die Nerven. Er war studierter Betriebswirtschaftler und versuchte sein Unternehmen nach dem Lehrbuch zu führen. Bis er sich entschloss bei einem potentiellen Kunden ein Angebot abzugeben wurde dieses von ihm mindestens dreimal überarbeitet. So stellte ich mir immer einen Erbsenzähler vor und mir war klar, dass ich dies nicht lange nervlich verkraften konnte. Also machte ich mich auf die Suche nach etwas Besserem. Nach einigen wenigen Bewerbungen unterschrieb ich einen Vertrag bei J&W Computer in Raunheim. Es war eben doch besser eine neue Stelle zu suchen wenn man einen ungekündigten Job hat. J&W war einer der großen Distributoren über die Computerhändler ihre benötigten Einzelteile oder Komplettsysteme bestellten also, das Bindeglied zwischen Hersteller und Händler. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Vater des Firmengründers hatte  ich die Stelle als Projektmanager für Windows95. Die Veröffentlichung dieses Betriebssystems von Microsoft stand ja kurz bevor.
Rainer wies mich dabei allerdings auch auf meine direkte Kollegin hin: “ Frau Gila G. ist zwar mit ihrem technischen Wissen sehr gut aber … sie ist lesbisch und hat Haare auf den Zähnen.“ Da ich mich aber schon daran gewöhnt hatte dass unsere Branche ein großer Zoo ist konnte mich dies auch nicht schocken.
Ab Anfang April 1995 ging dann die morgendliche Anreise nach Raunheim, was  natürlich wesentlich näher als Mainz war. Menschlich waren die Kollegen aus der Technik ganz in Ordnung und umgänglich, aber fachlich einfach nur „billig“. Die schon angesprochene Kollegin war erst einmal eine Katastrophe aber technisch äußerst fit. Das änderte sich erst als ich öfters mal aushilfsweise bei der Hotline aushalf und sie merkte dass ich mit meinem Know-how auch sehr fit war. Ab diesem Zeitpunkt waren wir ein Team und die Zusammenarbeit klappte vorzüglich. Seltsamer Weise konnte ich ohnehin mit Frauen meist besser zusammenarbeiten als mit männlichen Kollegen.
Das Superproblem war Rainer, denn der machte den ganzen Tag nichts anderes als durch den Betrieb zu schleichen und zu beobachten wie die Leute arbeiteten. Wenn ihm etwas nicht passte konnte man mit einer baldigen fadenscheinigen Kündigung rechnen. Ich erinnere mich noch an den Fall des technischen Leiters, der ein Freund des Chefs war und seine Untergebenen in gerechtfertigten Fällen verteidigte. Als er aus dem Urlaub kam wurde er an der Tür aufgehalten und durfte die Firmenräume nicht mehr betreten denn es wurde ihm Diebstähle von Prozessoren angelastet. Er ging vor Gericht und die Firma musste ihm eine hohe Abfindung bezahlen. Trotzdem waren derartige Kündigungen an der Tagesordnung und wurden immer von Rainer initiiert. Wie sagte ein Techniker mal zu mir: „Ich hoffe, dass ich später mitbekomme wenn der das Zeitliche segnet, denn dann gehe ich an sein Grab und pinkle darauf „.
Abgesehen von solchen Fällen war die Arbeit zwar anspruchsvoll aber trotzdem relativ einfach zu erledigen. Ende 1996 wurde die Geschäftsleitung allerding leicht größenwahnsinnig. Zugegeben die Geschäftsräume in Raunheim waren zum Schluss etwas zu eng. Deshalb beschlossen sie den Standtort nach Weiterstadt zu verlegen.  Dort gab es eine riesen Halle mit Bürogebäude und der Betrieb sollte ohne Unterbrechung über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel umziehen. Zum Glück hatte ich in der Zeit Urlaub und bekam das Drama nicht mit. Das planlose Chaos erlebte ich erst nach meiner Rückkehr Während man versuchte im Lager Ordnung zu schaffen war auch eine holländische Firma da, die den Auftrag hatte ein automatisches Lager zu realisieren. Gila verabschiedete sich aus dem Technikteam um eine kaufmännische Lehre zu absolvieren und unser neuer Arbeitsplatz waren nicht mehr Büroräume sondern eine Plattform am Rande der großen Lagerhalle. Lagerlärm und „billige“ Techniker, das war das was ich mir immer gewünscht hatte !!!!
Ein reibungsloser Umzug war natürlich auch nicht gelaufen, vielmehr bekamen die Kunden falsche Teile geliefert und es kamen immer mehr  Rücksendungen die getestet werden mussten. Dazu kamen die Kontrollgänge des Seniors. Also alles in Allem ein Betriebsklima das man seinem größten Feind nicht wünscht. Da die Aufträge massiv weniger wurden begann auch eine Kündigungswelle nach der Gehaltsliste um die Kosten zu senken.
Ende April 1997 wurde auch ich dann in die Personalabteilung eingeladen und man stellte mich vor die Wahl zum Monatsende mit einer guten Abfindung den Betrieb zu verlassen oder ohne Abfindung die 3 Monate Kündigungsfrist einzuhalten. Ohne lange nachzudenken nahm ich die Abfindung, atmete beim Verlassen des Firmengeländes tief durch und kaufte mir am darauffolgenden Samstag die Frankfurter Allgemeine und meldete mich beim Arbeitsamt. Ehrlich gesagt war ich aber darüber froh nie mehr diese Firma betreten zu müssen denn J&W ist in meiner Favoritenliste immer noch auf dem 1. Platz (von hinten). Die Firma wurde dann ein halbes Jahr später von einem großen Distributor aufgekauft und der Standort Weiterstadt geschlossen.
Gleich in der ersten Ausgabe der Frankfurter fand ich drei oder vier ansprechende Stellen auf die ich mich sofort bewarb. Einige Tage später meldete sich eine Firma aus Mörfelden-Walldorf und lud mich zu einem Gespräch ein. Am Ende dieses Gesprächs fragte mich der Chef Klaus O. sofort, wann ich denn frühestens anfangen könnte und wir vereinbarten  den darauffolgenden Montag. Meine Arbeitslosigkeit in diesem Fall dauerte genau 7 Tage. In dem Bewerbungsgespräch fragte ich Klaus auch, warum er als Unternehmensform eine GBR und keine GmbH gewählt hatte. Er meinte dazu es würde auch so gut laufen.
Die Firma bestand aus Klaus, einer Sekretärin, einer Halbtagskraft für die Buchhaltung, einem Techniker und 3 Programmierern, also klein und fein. Klaus war auch ein Vollbluttechniker und betrieb die Firma im Nebenerwerb. Hauptberuflich war er in der Datenverarbeitung einer großen Luftlinie am Frankfurter Flughafen. Das Betriebsklima war einfach super. Klaus bot mir gleich am ersten Tag das „Du“ an. Ich kam gerade richtig um einen neuen Kunden eine Saatgutfirma in Darmstadt zu betreuen und natürlich auch die alten in Wiesbaden. Wir waren hauptsächlich auf die Betreuung diverser Kunden spezialisiert und obendrein der erste deutsche Händler für eine damals neuartige Windowssoftware die einen Terminalbetrieb mit dem Betriebssystem von Microsoft realisierte. Citrix der Hersteller saß in den USA. Einfach erklärt war ich also wieder da gelandet wo ich begann: Große Rechner für die Rechenleistung und dumme Bildschirme beim Anwender, nur das nun die Programme auf einem Windowsbildschirm abliefen und mit der Maus bedient werden konnten. Kurz nach meiner Einstellung wurden wir von Citrix zum ersten Goldpartner in  Deutschland ernannt.
Zusätzlich übernahm ich auch den Einkauf. Der vorhandene Techniker war leider zu billig und kurz nach meinem Einstand verabschiedet. Das Betriebsklima war einfach Spitze. Es gab keine Missverständnisse oder Streitigkeiten. Man konnte sich völlig unbelastet auf die Kunden konzentrieren.
Wir stellten dann noch zwei weitere Techniker ein, einen Tunesier und den Deutsch-Türken Emil E. Schon nach kurzer Zeit waren Emil und ich Freunde. Der andere Kollege hatte über das Arbeitsamt eine Microsoft-Ausbildung gemacht. Ich weiß heute immer noch nicht was man denen dort beigebracht hat aber mit der realen Praxis hatte es nichts gemein. Er hatte den Auftrag für meinen Kunden ein Gerät einzustellen. Als er dann damit fertig war wollte er dem Kunden 105 Arbeitsstunden in Rechnung stellen, worüber Klaus und ich nur den Kopf schüttelten denn das Gerät funktionierte immer noch nicht und der normale Arbeitsaufwand um es funktionssicher einzustellen betrug ca. 2 Stunden.
Als er dann von Petra, unserer Sekretärin den Auftrag bekam die Post wegzubringen flippte er aus und schlug ihr ins Gesicht. Das war dann das sofortige Ende seiner Laufbahn in unserer Firma.
Emil erarbeitete Konzepte für unseren Großkunden, eine bekannte Luftverkehrsgesellschaft.
Um im technischen Bereich etwas mehr Kapazität zu erreichen rief ich Gila an, die ja inzwischen arbeitslos war. Nach einem kurzen Einstellungsgespräch wurde sie dann meine „rechte Hand“. Eigentlich könnte man „rechte“ zu diesem Zeitpunkt auch mit „linke“ ersetzen, denn in Bezug auf Pünktlichkeit und ordentliche Arbeit war sie inzwischen genau das Gegenteil von dem was sie bei J&W zeigte. Nach zwei Monaten fragte mich Klaus nach meiner Meinung und wir beschlossen ihr zu kündigen. Es tat mir ja wirklich leid für Gila aber sie hatte einfach zu viel ihrer Expertise verloren. Emil vermittelte uns den Praktikanten Dan W. Er war zwar Einsteiger aber begriff sehr schnell die Zusammenhänge der Datenverarbeitung.
Es lief eigentlich alles gut bis mein Kunde von einer anderen Firma aufgekauft wurde und unsere Kunden in Wiesbaden von ihrer Mutterfirma zum Wechsel zu einem konzerneigenen Dienstleister gezwungen wurden. Unsere Programmierer arbeiteten nur für einen dieser Kunden an ENERDATA einem Fernerfassungsprogramm für den Energieverbrauch. und waren gerade dabei das Programm von MS DOS auf Windows zu portieren.