stegenwaldhaus 55

Stegenwaldhaus 55 – mein Elternhaus

Der Wohnraum, der von meiner Oma, meiner Mutter und mir täglich genutzt wurde waren die Küche mit ca. 15qm und das Schlafzimmer mit ca. 16 qm. In der Küche spielte sich das ganze Leben ab, hier wurde gekocht, gegessen, in  einer Zinkwanne gebadet, Radio mit dem uralten Röhrenradio gehört und da spielte ich auch, zumindest während der Wintermonate oder wenn es regnete. An Sonn- und Feiertagen wurde die „Gute Stube“ benutzt. In ihr stand ein Monstrum von schwarzem Wohnzimmerschrank, ein großer passender Tisch mit Stühlen, ein Chaiselongue, ein Ofen und ein Klavier. Wenn zu Weihnachten dann noch der Christbaum stand wurde es verdammt eng.
Die Wände links bestanden aus Fachwerk mit einer Mauerstärke von ca. 15 cm, die Wände der Abstellräume und der Pächterwohnung bestanden aus Holzbalken, beidseitig mit Brettern verschalt und als Mauer Unmengen von Kohlenstaub. Dem Haus sah man von außen diese ganzen Unterschiede im Aufbau nicht an.
Das „Plumpsklo“ war ein Bretteranbau. Das Klopapier klein geschnittene Zeitung.
Die Fenster des Hauses bestanden aus einfachem Glas und konnten mit Fensterläden verdunkelt werden. Das Haus wurde nach meinen Nachforschungen Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit dem Marmorwerk von meinem Ururgroßvater  ursprünglich für den Betriebsleiter der Marmorsägerei erbaut. Vor dem 2. Weltkrieg heiratete mein Großvater die Erbin  der Betriebsstätte (meine Oma) und wurde der Leiter des Werks.
Wir hatten kein fließendes Wasser, dafür war hinter dem Haus ein 15m tiefer Brunnen. Abfälle wurden entweder auf dem Komposthaufen oder dem wilden Müllhaufen hinter der stillgelegten Autobahn entsorgt.
Vorräte hortete meine Oma in der Speisekammer, die allerdings nicht isoliert war, sondern im Sommer warm und im Winter eisig kalt. Einen Keller für die Vorräte gab es ja nicht.
Das Haus hatte ein Fundament von vielleicht 50 cm, die Holzbalken für die Dielen lagen direkt auf der Erde. Dämmung, wie heute üblich gab es ja nicht und das machte sich speziell im Winter bemerkbar. Eine dicke Eisschicht am Schlafzimmerfenster war im Winter üblich, denn nicht umsonst wohnten wir ja in „Bayrisch Sibirien“. Über die braune Treppe ging es hoch auf den Dachboden, doch dazu später.
Wie ich 8 Jahre alt war durfte ich, nach der Geburt meiner ersten Schwester, in das leer stehende Zimmer hinter der „Guten Stube“ umziehen. Von dort aus konnte ich immer aus dem Fenster sehen und wusste wer gerade mit dem Zug angekommen ist.
Mit 12, nachdem der Wohnraum  im Erdgeschoß durch meine zwei Schwestern und meinen inzwischen bei uns wohnenden „Stiefvater“ etwas knapp wurde, baute ich mir auf dem Speicher mit Balken und Rigips-Platten eine kleine Wohnung mit abgetrenntem Arbeits- und Schlafraum aus. Auch die Elektroinstallation stammte von mir. (Na ja, wenn man den einen Draht anfasste passierte nichts, beim anderen zuckte ich ein bisschen, und das Haus ist nicht abgebrannt und steht heute noch).
Aus dem restlichen Dachboden, der ja leer stand, wurde von mir mit Brettern und Baumstämmen zur „Diskothek“ Splash ausgebaut. Dort war dann immer am Samstagnachmittag für Freunde und Bekannte aus Hof und Umgebung Beatparty.
Jeden ersten Freitagabend im Monat war im „Haus der Jugend“ in Hof Beatparty auf der Livegruppen spielten. Nach meinem 15. Geburtstag durfte ich dann diese Partys auch besuchen. Da danach kein Zug oder Bus mehr fuhr übernachtete ich  dann immer bei einem Schulfreund.